Digitalisierung des Lernens als Herausforderung für Bildungsdienstleister

Am Abend des 1. Juni 2017 hatte ich Gelegenheit, im Rahmen eines kurzen Referats in der zum Bundestag gehörenden Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG), interessierten Parlamentsabgeordneten aus verschiedenen Parteien einige Thesen zur Digitalisierung der Weiterbildung aus Sicht eines Bildungsdienstleisters zu unterbreiten. – Die Abgeordneten, wie auch Vertreterinnen und Vertreter einzelner Ministerien waren an diesem Tag einer Einladung des Wuppertaler Kreises und seiner Mitgliedsunternehmen zum jährlich stattfindenden Parlamentarischen Abend gefolgt.

In den Mittelpunkt meiner Ausführungen rückte ich dabei die These, dass sich auch die Bildungsdienstleister durch die Digitalisierung – wie zu keiner Zeitperiode zuvor – Herausforderungen gegenübersehen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, wenn wir die Zukunft erfolgreich gestalten wollen.

So

  • wandelt sich die Zielgruppe für berufliche Weiterbildung recht deutlich. – Während es die Anbieter bisher auch schon mit unterschiedlichen Generationen zu tun hatten, kommt durch die Digitalisierung die sogenannte ‚Digital Maturity’ als weiteres Differenzierungsmerkmal innerhalb der Generationen hinzu, mit all den damit verbundenen und häufig divergierenden methodischen und inhaltlichen Anforderungen.
  • wird die Prognostizierbarkeit von Kompetenzbedarfen aufgrund der sich beschleunigenden technologischen Entwicklung spezifischen fachlichen Anforderungen über eine Zeitspanne von drei bis fünf Jahren hinweg, immer schwieriger.
  • so gewinnen in gleichem Maße die sogenannten außerfachlichen Kompetenzen wie beispielsweise Lernbereitschaft und Lernfähigkeit zunehmend an Bedeutung für die Beschäftigungsfähigkeit in einer digitalisierteren Arbeitswelt.
  • wird sich die Rolle der Bildungsdienstleister in einer Zeit, in der Google, YouTube und Co. fast unbegrenzt und frei zugänglich Wissen zur Verfügung stellen, noch viel stärker vom Wissensvermittler zum Lernberater und Lernbegleiter wandeln, der die Lernenden kompetent auf ihrem Weg durch eine zunehmend komplexere Welt des Lernens unterstützt: Statt die Lernenden mit ihren Tablets und Smartphones sowie beliebigen Lernprogrammen, Plattformen und Communities allein zu lassen, ist es an den Bildungsdienstleistern, geeignete Lernumgebungen zur Verfügung zu stellen, um so gut wie möglich sicherzustellen, dass Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten die u.a. diesem Weg generiert werden, tatsächlich auch relevant (valide) und korrekt sind. – Solche Lernumgebungen bilden die Voraussetzung dafür, dass die Lernenden ihre individuellen beruflichen Kompetenzen so weiterentwickeln können, wie sie für berufliche Zukunft benötigen.

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Digitalisierung des Lernens als Herausforderung für Bildungsdienstleister

Peter Littig
About The Author
- Dr. Peter Littig, born 1948, is a mathematician, physicist and educational scientist. He used to teach at public and private schools and has been working in adult education since 1984. He was trainer, consultant and head of department at Control Data Institut. From 1995 on, he was head of education at DEKRA Akademie GmbH. He is now retired, but still serves as advisor on educational policy to the board of directors.He has published numerous papers and books on further education, human resource development and digitization in learning and training.

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