Hört Ihnen wirklich jemand zu, wenn Sie etwas sagen?

Es fällt schwer, ein Buch über Führungskompetenzen zu finden, das nicht betont, wie wichtig Kommunikation ist. Führungskräfte sollten regelmäßig mit ihren Teams kommunizieren und ihre Vision so erläutern, dass sie jeder versteht und sich angesprochen fühlt. Was soll daran falsch sein?

Das große Problem ist, dass viele Führungskräfte denken, es ist genug, etwas einmal zu sagen, damit alle dahinterstehen. Und wenn etwas mit besonderem Nachdruck gesagt wird, wird auch verstanden, wie wichtig die Information ist. Und wenn man allen sagt, dass sie besonders aufmerksam sein sollen, dann sind auch alle besonders aufmerksam und verstehen deshalb auch besser, worum es geht.

Die traurige Wahrheit ist, dass das alles nicht stimmt. Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Information, die 200 Personen übermittelt wurde, aller Wahrscheinlichkeit nach auf 50 oder 60 Arten interpretiert wird. Wenn man 200 Personen etwas Kompliziertes mitteilt, heißt das, dass nur ein paar Leute aufmerksam zuhören, andere jedoch automatisch ablehnend reagieren, ohne zuzuhören, was eigentlich gesagt wird – weil sie es gar nicht hören wollen.

In den meisten Unternehmen gibt es offizielle Kommunikationswege, aber der wirkungsvollste ist der, den wir als „Flurfunk“ bezeichnen. Über ihn werden Informationen blitzschnell verbreitet, verzerrt und durcheinandergebracht. Kaum ist eine Führungskraft mit ihrer Rede fertig, kursieren im Unternehmen schon Interpretationen und Halbwahrheiten. Im Zeitalter der sozialen Medien, in dem jeder ein Smartphone hat, reichen schon ein paar Wischer auf dem Bildschirm. Und über soziale Medien kommen Informationen schneller an als auf jedem anderen Weg. Das ist der Grund dafür, warum Change-Kampagnen so schnell scheitern können: Schon bevor sie wirklich angefangen haben, werden ihr Inhalt und die Motivation schon missverstanden. Die falschen Interpretationen verbreiten sich schneller als die eigentliche Message, sodass sie selbst nicht mehr effektiv ankommt.

Dieser Artikel soll aber keine Liste der Verzweiflung werden, sondern ein Ruf zu den Waffen. Viele Führungskräfte könnten besser werden, wenn sie nur ein paar simple Regeln verinnerlichen würden. Hier sind fünf davon:

Regel 1: Sagen Sie es, sagen Sie es noch einmal, wiederholen Sie es und erwähnen Sie es bei jeder Gelegenheit wieder. Wenn die Message zum Mantra wird, wird sie besser verstanden. Gehen Sie nie davon aus, dass der erste Versuch funktioniert hat. Im Gegenteil, gehen Sie immer davon aus, dass der erste Versuch nicht erfolgreich war.

Regel 2 ist genauso wichtig. Gutes Sprechen und Kommunizieren erfordert die Fähigkeit, zuzuhören. Wenn Sie aktiv zuhören, wissen Sie, was Ihre Mitarbeiter denken und verstehen die grundsätzliche Einstellung Ihres Teams. Mit diesem Wissen können Sie Ihre Nachricht so verpacken, dass sie von der Zielgruppe leichter verstanden wird. Wenn Sie dies tun, erhöht sich die Chance, dass Sie effektiv kommunizieren. Sobald Sie Ihre Message kommuniziert haben, gehen Sie wieder zum aktiven Zuhören über. Sie werden dann ziemlich schnell merken, ob Ihre Kommunikation erfolgreich war, und das aktive Zuhören gibt Ihnen die Chance herauszufinden, was Sie als nächstes tun sollten. Entsprechend lauten auch die Grundprinzipien von der großen amerikanischen Führungspersönlichkeit Frances Hesselbein, die auch von Peter Drucker sehr verehrt wurde: „Fragen, nicht mitteilen“ und „Mehr Zuhören als Reden“.

Regel 3: Worten Taten folgen lassen. Reden ist eins, Handeln das andere. Die Leute achten ebenso sehr darauf, was Sie tun, wie auf das, was Sie sagen. Gibt es einen Widerspruch, haben Sie Ihre Message unterminiert. Wenn Ihr Verhalten Ihren Aussagen widerspricht, können Sie nicht erwarten, ernst genommen zu werden und Glaubwürdigkeit zu erlangen.

Regel 4: Denken Sie sorgfältig nach, bevor Sie sprechen. Versuchen Sie herauszufinden, wie die Reaktionen ausfallen werden und verstärken Sie die Nachricht, indem Sie vorwegnehmen, was Ihr Publikum denken oder sagen wird. Testen Sie die zentralen Punkte in kleinen Gruppen. Die Nachricht muss schnell aber sorgfältig herausgearbeitet werden.

Regel 5: Verstecken Sie sich nicht, nachdem Sie Ihre Nachricht übermittelt haben. Egal wie schwer es Ihnen fällt: Wenn Sie offen und ansprechbar sind und auch bereit, sich gegenteilige Meinungen anzuhören, gewinnen Sie Glaubwürdigkeit und Vertrauen und werden somit eine effektivere Führungskraft.

Aber die wichtigste Regel von allen ist Regel 6: Arbeiten Sie mit anderen zusammen, finden Sie Verbündete und fragen Sie um Rat. Durch Zuhören, Lernen und Zusammenarbeiten wird Ihre Message weiterverbreitet und eher anerkannt.

Wenn Sie effektiv seien wollen, sollten Sie bescheiden sein, zuhören und um Rat fragen. Leben Sie, was Sie sagen, und wiederholen Sie Ihre Message häufig. Kurz: Seien Sie im Einklang mit Ihren Aussagen, verstärken und reflektieren Sie sie.

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Hört Ihnen wirklich jemand zu, wenn Sie etwas sagen?

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Nigel Paine
About The Author
- Nigel Paine is a great communicator and profound thinker about what makes contemporary workspaces tick and what businesses need to do to survive in the C21st. He specialises in developing leaders; building learning organisations; getting the best out of staff; and developing strategies for retention and development of key people within organisations. He is a coach, mentor, writer, broadcaster and keynote speaker of international acclaim. He is currently working in Europe, Brazil, the US and Australia on a variety of assignments, that hinge around making work more creative, innovative and aspirational; and making workplaces more conversational, team-based and knowledge sharing.

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